Erst Regen – dann Reamonn

reamonnEine Interessante Mischung mit unterschiedlichen Musikrichtungen erlebten am Sonntagabend rund 5.000 Musikbegeisterte auf dem Coburger Schlossplatz beim zweiten Abend des HUK Open Air-Sommer 2010. Nach Terry Hoax aus Hannover, die mit rockigen Klängen den Abend eröffneten betrat der Belgier Milow die Bühne, überzeugte mit seinen teils melancholischen und textlich durchdachten Balladen. Höhepunkt des Tages war natürlich der Auftritt der Band Reamonn mit ihrem irischen Frontmann Rea Garvey, deren Bassist Uwe Bossert ein halbes Heimspiel feiern konnte.

Vor dem Musikgenuss mussten die auf den Platz strömenden Fans jedoch mit anderen Strömen kämpfen – Regenströmen. Zweimal öffnete Petrus die Schleusen kräftig und verwandelte den Kiesplatz in ein Pfützensammelsurim. Doch pünktlich zu Terry Hoax durchbrach die Sonne die Wolken erstmals. Die sechs Musiker aus Hannover, ja, ein wenig erinnern sie an die ebenfalls aus der Stadt kommenden Fury in the Slaughterhouse, bestehen seit rund 20 Jahren, die meiste Zeit davon jedoch ruhten die Bandaktivitäten. Trennung 1996, Reunion 2008, ein neues Album. Musik, die das Publikum gerne annimmt, die Regentropfen auf den Jacken werden weggerockt. Bekanntester Song der Band ist sicher das Depeche Mode-Cover "Policy of Truth", das dem ein oder anderen Schlossplatzbesucher sehr bekannt vorkommt. Die restlichen Songs sind jedoch Eigenkompositionen. Songs wie "Band of the Day" sind sehr eingängig und manch neuen Fan können die Mannen um Sänger Oliver Perau am Abend gewinnen.

Während der Umbaupause kommen die Besucher in den Genuss eines Regenbogens und schon erklingen die ersten Töne von Senkrechtstarter Milow. Der belgische Songwriter ist spätestens seit seinem Cover von "Ayo Technology" – gespielt in einer XXL-Version – dem deutschen Publikum bekannt. Und auch der charismatische Sänger aus dem westlichen Nachbarland findet in Coburg neue Fans. Das liegt sicher an der glasklar ausgepegelten Soundanlage, die die feinen Nuancen der Stimmen optimal über den Platz transportiert.

Im Vordergrund steht keine große Bühnenshow, die großartigen Texte prägen sich ein. Milow singt vom Auswandern, der Liebe, von Plänen, Träumen und dem Leben an sich. Auch neue, rockigere Songs werden angespielt und dankbar angenommen. Test bestanden, das neue Album, produziert wird es zwischen der Tour, kann kommen! Milow glänzt mit Deutschkenntnissen, lässt seinen Bassisten Lieder von Peter Maffay und Nena anspielen. Ein wenig Show muss dann doch sein, bevor es mit "You don't know" und "Out of my Hands" in die zweite Umbaupause geht.

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Terry Hoax, Milow & Reamonn – die schönsten Bilder vom Schlossplatz in Coburg

Eleven – Elf Jahre Remonn, zum zweiten Mal in Coburg. Daran erinnert sch Rea Garvey in fast perfektem Deutsch sehr gut. Sie sind ganz normal, die fünf Jungs der deutsch-irischen Band. Auch nach über zehn Jahren. Mit den ersten Klängen hat Garvey die 5.000 Kehlen im Griff – auch hier sitzen die Refrains, nicht nur die der neuen Songs. "Josephine", "Through the Eyes of a Child", "Star", "Moments like this", die Liste der Hits ist schier unerschöpflich. Ein zweiter Leuchtkegel ist auf Bassist Uwe Bossert gerichtet. Nicht nur, weil seine Eltern auf dem Platz sind. Nicht nur, weil er die musikalische Leitung in der Band hat. Auch weil er aus Bamberg kommt und somit ein Heimspiel – und viele Fans vor Ort – hat. Bamberg. Daran erinnert sich Rea Garvey sehr gut. Nun ja, nicht mehr über jedes Detail. Denn 2009 war die Band auf der Sandkerwa. Leider eine Woche zu früh, ärgert sich der Ire mit dem "schlechten Deutsch, dass sich kaum verbessert hat", seitdem man 1999 erstmals in Stockach am Bodensee musiziert hat. Damals wurde nicht geredet, einfach Musik gemacht, erinnert sich Garvey.

Und so dürfen auch die letzten beiden musikalischen Erungenschaften der Band nicht fehlen: "Aeroplane" und das erst zwei Tage zuvor veröffentlichte "Yesterday". Und wer sich an die Wurzeln erinnert, der weiß auch, auf was die meisten Fans zum Abschluss eines musikalisch einwandfreien Abends warten – "Supergirl". Der Song, der 1999 eine junge, deutsch-irische Band in die Charts katapultierte, wo sie auch heute noch ihren festen Platz hat, nur eben elf Jahre später.