Paul Kalkbrenner im Interview

paul-kalkbrennerDass Künstler aus der elektronischen Musikszene zum absoluten Superrstar avancieren ist nach wie vor eher der Ausnamefall. Das Paradebeispiel ist Paul kalkbrenner. In der Szene schon immer ein Garant für hochwertige und individuelle Produktionen, hat er mit dem Film „Berlin Calling“ in ganz Europa und auch darüber hinaus Beachtung gefunden. Der Soundtrack, allen voran der geniale Titel „Sky and Sand“ lief in den Clubs und Radiostationen hoch und runter. Als Headliner beim 5-jährigen Jubiläum des Day and Night Festivals spielt der Berliner im August seinen einzigen Gig im Raum Stuttgart. In diesem Rahmen sprach er mit uns über seine Tour, seine Pläne für die Zukunft, die Fußball WM und über ein ganz besonderes Erlebnis in Stuttgart…

Paul, vor wenigen Minuten wurde das Vorrundenspiel Chile – Schweiz abgepfiffen. Du bist ja als großer Fußballfan bekannt und bist auch gerne mal im Fußballtrickot anzutreffen. Auch in „Berlin Calling“ sieht man dich in einem Frankreichtrikot. Bist du Sammler?
Naja, mittlerweile nicht mehr so, das hat sich über die Jahre ein wenig aufgelöst. Damals, als wir den Film konzipiert haben, war ich ja noch fünf Jahre jünger. Ich habe allerdings ein schönes Deutschlandtrikot von 1990, wie neu. Ich habe es sogar ein wenig umnähen lassen, weil der Schnitt einfach nicht mehr modern ist. Das ziehe ich dann natürlich an, wenn die Deutschen wieder spielen.

Aber das war schon richtig ernst gemeint, diese Trikotgeschichte?
Ja klar. Ich habe auch jetzt während der WM meine Tour unterbrochen, damit ich wirklich alle Spiele sehen kann. Tatsächlich habe ich mir sogar alle 32 Fahnen gekauft. Im Moment hängen noch Chile und Schweiz an meinem Fernseher, die werden jetzt gegen Spanien und Honduras getauscht.

Lass uns vom Fußball zu deiner Tour kommen: der Tourstopp während der WM muss für dich eine neue und sehr gegensätzliche Erfahrung sein, wenn man den Rummel um deine Person und deinen Zeitplan in den letzten zwei Jahren betrachtet. Vermisst du den Trouble und das viele Reisen?
Ne, definitiv nicht, es ist ja WM und das zelebriere ich schon sehr heftig. Wir haben hier einen 60 zoll Fernseher, links und rechts die Fahnen daneben, das ist schon eine tolle Sache. Bei jedem Spiel hängen hier andere Fahnen, immer von den jeweils spielenden Mannschaften. Dazu wohne ich in einem schönen Haus und da kann man auch sehr gerne mal mit mehreren Leute richtig schön Fußball gucken.

Du bist einer der wenigen Künstler in der Szene, die auch richtig große Konzerthallen füllen. Wie hat sich deine Performance gewandelt? Stehen die großen Gigs im Vordergrund oder ist es dir wichtig den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren und auch in kleinen Läden zu spielen?
Ich habe jetzt Anfang des Jahres eine große Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gemacht, unter anderem in der Westfallenhalle in Dortmund oder der Jahrhunderthalle in Frankfurt. Die verbleibende Zeit bis zur WM habe ich dann allerdings wieder in kleineren Clubs gespielt, quasi als Ausgleich. Ich war zum Beispiel in Rom, Rotterdam und Bordeaux und sogar in Kanada beim Picnic Electronique. Gerade nach dieser Riesentour im deutschsprachigen Raum war es uns wichtig auch vermehrt international zu spielen.

Wird man dich bald nur noch große Konzerte spielen sehen?
Nein, nach meiner Tour werde ich mich jetzt erst mal wieder auf das konzentrieren was ich vorher gemacht habe, also in Clubs spielen. Da ist dann jetzt natürlich ein viel größerer Auflauf als zuvor, aber es sind immer noch die gleichen Clubs in denen ich seit Jahren spiele und auch in Zukunft weiterhin spielen werde.

Berlin-Calling_Plakat_Paul-Kalkbrenner

Was macht den Unterschied zwischen einem Paul Kalkbrenner Konzert und einem Gig im Club?
Das kann man schwer vergleichen. In einem Club sind die Gigs meist etwas kürzer, aber was soll’s? Dann spiel ich halt nur ein 90 Minuten Set. Na gut, meistens werden es ja schon zwei Stunden, aber es ist doch ein Unterschied zu einem riesen Konzert, bei dem wir erst mal mit fünf Tonnen Equipment anreisen. Alleine der Aufwand alles aufzubauen und herzurichten ist auf so einem Konzert enorm, da habe ich dann allerdings auch fast 4 Stunden gespielt und es geht dann auch mehr auf der Bühne, mehr Show, mehr Technik, aber dafür ist auch eben um halb 3 Schluss.

Du hast auf deiner Tour jedes Wochenende durchschnittlich zwei Konzerte gegeben. Lassen die vielen Shows denn noch Raum für Improvisationen oder ist deine Show komplett durchgeplant?
Nein, das ist nicht komplett durchgeplant. Ich weiß noch damals bei der Pilotvorstellung in de Columbia Halle in Berlin, da hab ich einfach um 23:00 Uhr angefangen und das hat sich dann hochgesteigert. Ich mag diese Konzerte sehr. Die Clubshows sind anders, kürzer und die Atmosphäre in einem Club ist auch ganz anders als auf einem Konzert. Aber das ist auch gut so.

Die Tracks aus „Berlin Calling“ wie „Sky and Sand“ kennt man mittlerweile in ganz Europa. Können wir denn bald neue Produktionen oder Remixe von dir erwarten?
Ja, ich arbeite gerade an verschiedenen Projekten. Unter anderem mache ich einen Remix für Moby und einen für Stromae aus Frankreich. Es ist sogar ein Remixprojekt für Rammstein dabei.

Nach dem Riesenerfolg den du mit dem Soundtrack von „ Berlin Calling“ hattest, spürst du da schon den Druck ein neues Album nachlegen zu müssen oder bist du eher ganz entspannt?
Ja, also von Druck kann keine Rede sein, aber ich möchte im nächsten Jahr schon gerne wieder was releasen. Allerdings machen wir derzeit jetzt erst mal eine Live DVD. Die haben wir bei den großen Konzerten in HD aufgenommen. Natürlich wurde auch in den Clubs gefilmt und auch den Festivalsommer nehmen wir selbstverständlich noch mit, so dass wir am Ende des Jahres eine richtig schöne und vor allem auch sehr lustige Live DVD releasen können.

Dein Gig bei der Day and Night 2010 wird dein Einziger im Raum Stuttgart sein. Welche Erinnerung verbindest du mit Stuttgart und der Region?
Ich hatte mal 2009 einen Gig im Romy S. Wer den Club kennt weiß, dass er eher kleiner ist. Das Booking hatte man vier Monate im Vorfeld gemacht. In dieser Zeit kam aber durch den Film nochmal so viel Druck hinter die ganze Sache, dass der Club am Ende wirklich schon viel zu klein für die ganzen Leute war. Da war dann der absolute Ausnahmezustand.

Bei der Day and Night werden wir mehr Platz haben, versprochen. Was ist denn dein Festival Highlight diesen Sommer, der ja jetzt nach der WM erst richtig für dich losgeht?
Definitiv mein anstehender Gig auf dem Burning Man. Das wird was ganz besonderes. Normalerweise kann ich diese Frage nie so eindeutig beantworten, weil ich die meisten europäischen Festivals sehr gut finde. Allerdings hat das Burning Man da doch noch mal eine Ausnahmestellung.

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