Afrika-Thriller: "Nigeria Connection" von Peter M. Roese

3938807172CoverEin Spannungsbogen wird von Schwarzafrika ins Pegnitztal geschlagen. Der Protagonist Marcel flieht zu Beginn der 70er Jahre vor seinen Häschern aus Nigeria nach Neuhaus an der Pegnitz. Freunde exotischer Agenten-Thriller kommen bei diesem ungewöhnlichen Roman, der in der afrikanischen Arbeitswelt spielt, auf ihre Kosten. Dunkle Machenschaften, ein versuchter Mordanschlag auf den nigerianischen Präsidenten und rätselhafte Vorgänge, bestimmen die Handlung. Daneben wird vor dem Leser das schillernde Leben Afrikas mit all seinen Facetten ausgebreitet. Erlebnisse mit schwarzen Zauberern, schönen Frauen, eine Pirsch auf Waldelefanten, ein Besuch im ehemaligen Biafra, eine öffentlichen Hinrichtung, ein illegaler Flug nach Kamerun, chaotische Straßenverkehrsverhältnisse … in diesem Rahmen bewegt sich "Nigeria Connection". Neben Nigeria spielt die Handlung in Benin Republic (vormals Dahomé), Kamrerun und Kenia. Bild-003Peter M. Roese wurde 1944 in Erlangen geboren, und schlug eine technische Laufbahn ein. Zahlreiche private und geschäftliche Reisen führten ihn rund um den Globus. In Nigeria und im Iran hat er mehrere Jahre gelebt und gearbeitet. Ein gespitzter Bleistift lag immer bereit … So ist es nicht verwunderlich, daß er sich nach seiner krankeitsbedingten Frühpensionierung der Schriftstellerei zuwandte. … vom gleichen Autor: Iran-Thriller "AFN Tehran" (www.rhombos.de AFN Tehran), sozusagen die Fortsetzung von "Nigeria Connection" …

 

Rezension:

Wenn man dem Klappentext Glauben schenken mag, handelt es sich bei Peter M. Roeses Nigeria Connection um einen Krimi – doch weit gefehlt. Alles in allem ist es lediglich eine Reihung von Anekdoten, zusammengeschustert zu einer vermeintlichen Rahmengeschichte für einen Möchtegern-Thriller.

Das Buch erscheint als unzusammenhängende Glorifizierung der Hauptfigur Marcel. Er kann alles, er weiß alles, er sieht blendend aus, er hat abgesehen davon, dass er leicht naiv ist (was ihm aber nicht im Geringsten zum Verhängnis wird) und dass er ein unglaublicher Besserwisser ist, keinerlei Charakterschwächen. Zumindest sofern es ersichtlich ist. Denn ein gewichtiges Problem des Buches ist, dass die Charaktere kaum umrissen sind. Das Bild, das von ihnen gezeichnet wird, ist unvollständig und verschwommen und letzendlich einer der Gründe, warum man als Leser keinen Zugang zur Erzählung findet. Indirekte Beschreibungen der Figuren sucht man nahezu vergeblich, sogar in ihrem Sprachgebrauch unterscheiden sie sich kaum, egal, ob es sich um eine afrikanische Vodoopriesterin, oder einen indischen Verwaltungsangestellten handelt.

Die Sprache, in der das Buch gehalten ist, kommt einem Debakel gleich. Einstiegsbeispiel zum Thema „Gestelzte, unglaubwürdige Dialoge und Gedankengänge“: Marcel wacht in einem Gefängnis auf, nachdem er hinterrücks niedergeschlagen wurde und nicht einmal im Ansatz eine Ahnung hat wieso. Der erste Gedanke, der ihm durch den Kopf schießt: „Er hinter Gittern, das ist ja vielleicht eine schöne Bescherung!“. In diesem Tenor geht es nonstop weiter. Sprechakte, die man für voll nehmen könnte, gleichen einer Nadel im Heuhaufen.

Dementsprechend  verhält es sich mit dem Erzählstil. Meistens folgt man der Sicht eines personalen Erzählers, der auf Marcel ausgerichtet ist. Gelegentlich wechselt die Perspektive aber und der Erzähler wird allwissend. So ein Verfahren kann durchaus ein hervorragendes Mittel sein, um den Blickwinkel des Lesers zu beeinflussen, Spannung zu erzeugen, überzuleiten und so weiter. Wenn man es allerdings nutzt, um plumpe und völlig unnötige Vorausdeutungen hintanzustellen, dann ist es nicht nur ein Schuss in den Ofen, sondern man gewährleistet von Vornherein, dass nicht das kleinste Quäntchen Spannung aufkommt.

Ob es möglich gewesen wäre, das Werk durch eine Reihe von Verbesserungen zu einem ordentlichen, lesenswerten Stück Literatur zu machen, ist fraglich. Allerdings wäre seitens des Verlags wenigstens ein bisschen Schadensbegrenzung zu erwarten gewesen. Es hälfe ja schon viel, einen Anhang mit einer Karte Afrikas und einem kurzen Abriss der Geschichte Nigerias beizufügen. Schon blieben dem Leser viele langweilige Passagen erspart. Würde man sämtliche unnötigen Randnotizen herausstreichen, wäre der Roman zwar nur noch halb so lang, dafür bestünde die Chance, dass wenigstens so etwas Ähnliches wie Lesefluss dabei herauskommt. Ganz zu schweigen von den verklemmenten sexuellen Anspielungen: „Was sind das für herrliche braune Melonen! Welcher Mann würde da nicht gerne mal Erntehelfer spielen?“. Solche Formulierungen sind einfach nur peinlich und Nigeria Connection wirkt leider auch ohne sie schon wie eine auf 432 Seiten ausgewälzte Erlebniserzählung auf Unterstufenniveau.
 

Mario Habermann